StP 59 Nr. 1

Beginn der selbständigen Veranlagung

1. Allgemeines

Gemäss § 59 Absatz 1 StG werden Steuerpflichtige erstmals selbständig veranlagt für die Steuerperiode, in der sie mündig werden. Steuerpflichtige werden somit in der Regel erstmals für ihr gesamtes Einkommen und Vermögen selbständig veranlagt für die Steuerperiode, in welcher sie das 18. Altersjahr erreichen.

Für die Bemessung der Einkommenssteuer wird das gesamte in dieser Steuerperiode erzielte Reineinkommen herangezogen; dies gilt auch für die Einkünfte, welche vor dem 18. Geburtstag erzielt worden sind.

Für Erwerbs- oder Ersatzeinkommen von Unmündigen sowie für Unmündige die nicht unter elterlicher Sorge stehen, gelten besondere Bestimmungen.

2. Unmündige die nicht unter elterlicher Sorge stehen

Unmündige Personen, welche nicht unter elterlicher Sorge stehen, werden für ihre gesamten Einkünfte und ihr gesamtes Vermögen selbständig veranlagt (vgl. StP 12 Nr. 2). Die Steuerveranlagung erfolgt nach den gleichen Grundsätzen wie bei mündigen Steuerpflichtigen.

3. Erwerbs- oder Ersatzeinkommen Unmündiger

3.1. Allgemeines

Gemäss § 59 Absatz 2 StG werden Unmündige selbständig veranlagt für ihr:

  • Erwerbseinkommen (z. B. aus Arbeitsverhältnis, aus Lehrvertrag);
  • Ersatzeinkommen (z.B. Leistungen aus Arbeitslosenversicherung, Taggelder aus Unfallversicherung oder Krankenversicherung).

In einem solchen Fall werden für die Bemessung der Steuer bei der Steuerveranlagung des unmündigen Steuerpflichtigen einzig das Erwerbseinkommen oder das Ersatzeinkommen sowie die zugehörigen Gewinnungskosten (Berufsauslagen) berücksichtigt. Die übrigen Einkünfte und das Vermögen des betreffenden Kindes werden dagegen weiterhin den Inhabern der elterlichen Sorge zugerechnet (vgl. StP 12 Nr. 2).

2.2. Beispiel

Eine 17-jähriger (unmündige) Person ist per 1. April ein Arbeitsverhältnis eingegangen. Vom 1. Januar bis 31. des betreffenden Jahres erzielte sie kein Erwerbseinkommen. Die Einkommens- und Vermögensverhältnisse zeigen im betreffenden Jahr das folgende Bild:

Einkommen im betreffenden Jahr
Erwerbseinkommen aus Arbeitsverhältnis 1.4. bis 31.12.      Fr. 30'000
Ertrag aus beweglichem Vermögen  Fr.1'000
Berufsauslagen  Fr.1'900

Vermögen per 31. Dezember im betreffenden Jahr
Wertschriften  Fr.35'000

Selbständige Veranlagung des Unmündigen
Steuerperiode 1.1. - 31.12.
  
Erwerbseinkommen aus Arbeitsverhältnis 1.4. bis 31.12.   Fr. 30'000
Berufsauslagen ./.  Fr.   1'900
Versicherungsabzug ./.  Fr.   3'100
Steuerbares Einkommen im betreffenden JahrFr. 25'000
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Bei der Steuerveranlagung der unmündigen Person wird der Ertrag von Fr. 1'000 aus beweglichem Vermögen nicht berücksichtigt. Dieser Ertrag muss vom Inhaber der elterlichen Sorge zusammen mit dessen übrigen Einkünften versteuert werden.

Das Wertschriftenvermögen der unmündigen Person von Fr. 35'000 muss ebenfalls durch den Inhaber der elterlichen Sorge zusammen mit dessem übrigen Vermögen besteuert.