StP 29 Nr. 6

Praxis Weiterbildungs- und Umschulungskosten / gültig bis und mit Steuerperiode 2015 

1. Anrechenbare Kosten

1.1. Allgemeines

Ab der Steuerperiode 2016 werden die berufsorientierten Aus- und Weiterbildungskosten als allgemeiner Abzug berücksichtigt (vgl. StP 34 Nr. 28). Die nachfolgenden Ausführungen gelten demnach nur noch bis und mit der Steuerperiode 2015.

Es können nur die mit dem erlernten oder ausgeübten Beruf zusammenhängenden selbst getragenen Weiterbildungskosten abgezogen werden, nicht aber vom Arbeitgeber übernommene Kosten (vgl. Ziff. 1.2). Zu den Weiterbildungskosten können etwa Kurskosten, Kosten für Kursmaterial, notwendige Fahrkosten zum Weiterbildungsort und notwendige Mehrkosten für Verpflegung gehören.

Auslagen, die vorwiegend mit der allgemeinen Lebenshaltung zusammenhängen, sind dagegen keine abzugsfähigen Weiterbildungskosten (vgl. auch Ziff. 5). Mischausgaben, welche sowohl dem beruflichen als auch dem privaten Bereich zuzuordnen sind, werden in einen beruflichen und einen privaten Anteil aufgeteilt (z.B. Reisekosten bei einer Weiterbildung im Ausland mit anschliessender Rundreise).

1.2. Beiträge des Arbeitgebers an die Ausbildung des Arbeitnehmers

Der Begriff des Einkommens aus einer Erwerbstätigkeit ist gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung weit zu interpretieren. Ein Einkommen aus Erwerbstätigkeit liege auch dann vor, wenn zwischen der Leistung, die der Steuerpflichtige erhält, und seiner Tätigkeit ein wirtschaftlicher Zusammenhang bestehe, derart, dass die Leistung die Folge der Tätigkeit sei und er die Leistung im Hinblick auf seine Tätigkeit erhalte (ASA 60 S. 245 E. 2a).

Vergütungen des Arbeitgebers für Aufwendungen des Arbeitnehmers, welche dieser aus seinem Einkommen bezahlt, sind ebenfalls Lohnbestandteil. Der Beitrag des Arbeitgebers an die Ausbildungskosten hat seinen Grund im Arbeitsverhältnis. Es ist nicht relevant, wenn der Beitrag an die Ausbildung nicht zur vertraglich vereinbarten Gegenleistung für die Erbringung der Arbeit gehört.

Beiträge des Arbeitgebers an die Ausbildungskosten sind daher als steuerbare Gehaltsnebenleistungen zu betrachten. Ein anderes Vorgehen würde denn auch zu einer rechtsungleichen Behandlung von Personen führen, welche eine Weiterbildung besuchen und dafür Arbeitgeberbeiträge erhalten. In diesen Fällen werden die Arbeitgeberbeiträge ebenfalls angerechnet.

1.3. Arbeitszimmer für Weiterbildung

Vorbereitungsarbeiten im Zusammenhang mit der beruflichen Weiterbildung werden oft zuhause im privaten Arbeitszimmer erledigt. Die Benutzung des privaten Arbeitszimmers für die berufliche Weiterbildung ist nicht abzugsfähig. Der Gewinnungskostencharakter der kalkulatorischen Auslagen für das Arbeitszimmer ist zu verneinen.

Die Situation ist nicht damit zu vergleichen, dass berufliche Arbeiten notwendigerweise zu Hause verrichtet werden und damit die kalkulatorischen Kosten für ein Arbeitszimmer den Charakter von Gewinnungskosten erhalten können. 

1.4. EDV-Hard- und Software

Anschaffungskosten für EDV-Hard- und Software, wie Desktop-PCs, Notebooks, Drucker und Software (ohne Spiele) sind abzugsfähig, sofern ihnen ein Weiterbildungskostencharakter zukommt. Gemäss Thurgauer Steuerpraxis werden diese Aufwendungen ohne nähere Begründung in der Regel zu 50% als Weiterbildungskosten zum Abzug zugelassen. Die restlichen 50 % gelten als Privatanteil und können nicht abgezogen werden. Ein höherer Kostenanteil für die Weiterbildung muss durch den Steuerpflichtigen nachgewiesen werden.

Ein Ersatz wird in der Regel ab einer Nutzungsdauer von ca. 3 Jahren je berufstätige Person (nicht je Haushalt) gewährt. Die Informatikmittel von Kindern finden keine steuerliche Berücksichtigung.

Betriebskosten wie monatliche Internetanschlussgebühren oder Verbindungsgebühren, Informatikerkosten zur Einrichtung eines Netzwerks, Server, Router etc gelten nicht als Weiterbildungskosten. Tablet-PC, Smartphone etc sind in der Regel der Unterhaltungselektronik zuzuschreiben, wodurch eine steuerliche Berücksichtigung unter den Weiterbildungskosten entfällt.

Soweit Kosten für Informatikmittel nicht unter dem Titel Weiterbildungskosten abzugsfähig sind, kann allenfalls ein Abzug unter dem Titel der übrigen für die Ausübung des Berufs erforderlichen Kosten geprüft werden (StP 29 Nr. 7). Dazu sind ein entsprechender Nachweis und eine Begründung erforderlich.

1.5. Aufwendungen im Zusammenhang mit Lerngruppen

Die Kosten, die im Rahmen einer steuerlich anerkannten Weiterbildung anfallen, sind nur abzugsfähig, wenn sie notwendig sind. Fahr-, Verpflegungs-, Übernachtungs-, Coachingkosten etc., welche im Zusammenhang mit "freiwilligen" Lerngruppen oder "freiwilligen" Prüfungsvorbereitungen entstehen, können nicht als Weiterbildungskosten in Abzug gebracht werden, sondern stellen nicht abzugsfähige Lebenshaltungskosten dar.

Dagegen sind Auslagen im Zusammenhang mit (bewerteten) Gruppenarbeiten oder Prüfungsvorbereitungen, welche vom Kurs- bzw. Lehrganganbieter als zwingende Bedingung zum erfolgreichen Abschluss eines Lehrgangs vorausgesetzt werden, als Weiterbildungskosten abzugsfähig.

1.6. Weiterbildungskosten einer nicht erwerbstätigen Ehefrau

Unselbständigerwerbend im Sinne des Bundes- und des kantonalen Rechtes ist, wer zum Empfänger seiner Arbeitsleistung in einem Arbeitsverhältnis steht. Kriterien für die unselbständige Erwerbstätigkeit stellen vorab drei Elemente dar: Die Arbeitsleistung auf Zeit, die Entgeltlichkeit und die Unterordnung unter die Weisungen des Arbeitgebers.

Die Tätigkeit einer Hausfrau gilt steuerrechtlich nicht als Erwerbstätigkeit. Weiterbildungs- bzw. Umschulungskosten einer nicht erwerbstätigen Ehefrau können daher nicht vom Einkommen des erwerbstätigen Ehemannes abgezogen werden.

1.7. Abgrenzung abzugsfähige und nicht abzugsfähige Umschulungskosten

Nur beim Vorliegen eines äusseren Zwangs (infolge Krankheit oder Unfall, Betriebsschliessungen, Aussterben eines Berufs; vgl. StP 29 Nr. 5, Ziffer 3) können dafür anfallende Aufwendungen als Umschulungskosten abgezogen werden. Umschulungskosten infolge eines freiwilligen Berufsumstiegs sind dagegen nicht abzugsfähig.

2. Kurse für Persönlichkeitsentwicklung

Ein ganzheitlicher Weiterbildungsbegriff beinhaltet neben einer rein fachlichen auch eine soziale Komponente. Der Sozialkompetenz wird in der heutigen Berufswelt vermehrt Gewicht zugemessen. Dies gilt nicht nur auf der Stufe Mitarbeiter, sondern insbesondere auch auf der Führungsebene.

Daraus ist zu schliessen, dass Kurse, welche der Persönlichkeitsentwicklung dienen, insbesondere bei Leuten mit Führungsverantwortung in einem Zusammenhang mit der Berufsausübung stehen und zum Abzug zuzulassen sind.

Dient der Kurs hauptsächlich persönlichen Interessen - etwa im Sinne kultureller Weiterbildung - fehlt der Zusammenhang mit dem ausgeübten Beruf. Ein Abzug als Weiterbildungskosten ist in diesem Fall ausgeschlossen.

3. Handelsschulen

Unter dem Begriff "Handelsschule" wird eine Vielzahl von verschiedenen Fortbildungsmassnahmen angeboten. Zur Beurteilung der Abzugsfähigkeit ist daher jeweils der Inhalt der besuchten Fortbildungsmassnahme massgebend.

Kürzere kaufmännische Kurse mit einer verhältnismässig geringen Stundenanzahl sind ungeachtet des erlernten bzw. ausgeübten Berufs abzugsfähig. Jährige Handelsschulen sind abzugsfähig, sofern sie auf dem gelernten oder ausgeübten Beruf aufbauen. So ist etwa bei bestehender kaufmännischer Vorbildung (z.B. Pharmaassistentin, Detailhandelsangestellte etc.) eine jährige Handelsschule als Weiterbildung zu qualifizieren.

Beim Lehrgang "technischer Kaufmann/technische Kauffrau" handelt es sich um eine höhere Berufsbildung, welche insgesamt als Weiterbildung zu qualifizieren ist.

Dagegen als Ausbildung qualifiziert wird eine kaufmännische Grundausbildung, die mit einer jährigen Handelsschule anfängt und darauf aufbauend weitere Jahre angeschlossen werden und mit einem eidg. anerkannten Beruf (Kaufmann/-frau) endet. Ebenfalls eine Ausbildung liegt vor, wenn der Besuch einer Handelsschule unmittelbar auf die erste Grundausbildung (ohne Erwerbstätigkeit zwischen Lehre und Handelsschule) erfolgt. In beiden Fällen gelten die dafür angefallenen Kosten somit als nicht abzugsfähige Ausbildungskosten.

4. Sprachkurse

Die Aufwendungen für gängige Sprachkurse in den vier Landessprachen sowie in Englisch werden unbesehen der Art des ausgeübten Berufs bei jedem unselbständig Erwerbstätigen als abzugsfähige Weiterbildungskosten anerkannt. Aufwendungen für Kurse in anderen Sprachen werden nur als abzugsfähige Weiterbildungskosten anerkannt, wenn die jeweiligen Sprachkenntnisse zumindest teilweise bei der Ausübung der beruflichen Tätigkeit benötigt werden.

Aufwendungen für "höhere" Sprachkurse (z.B. Cambridge-Kurse: first, advanced, proficiency), welche mit einem Examen abgeschlossen werden, gelten nur als abzugsfähige Weiterbildungskosten, wenn sie in einem engeren Zusammenhang mit dem ausgeübten oder erlernten Beruf stehen.

Sprachkurse von ausgebildeten Primarlehrkräften zur Erlangung der Unterrichtsbefähigung in Englisch gelten als Weiterbildungskosten.

5. Bildungsreisen

Der Bildungsreise fehlt die unmittelbare Erforderlichkeit für die Weiterbildung, welche Voraussetzung für die Abzugsfähigkeit ist. In Übereinstimmung mit den gesetzlichen Grundlagen sowie der herrschenden Rechtsprechung wird daher ein Abzug für Bildungsreisen im Sinne von Weiterbildungskosten nicht gewährt (vgl. StP 29 Nr. 5). Dies gilt auch für Sprachaufenthalte ohne den Besuch einer Sprachschule.

Diese konsequente und restriktive Rechtsanwendungspraxis stellt sicher, dass nicht Kosten für Ferienaufenthalte, welche als Lebenshaltungskosten gelten, vom Einkommen abgezogen werden können.

6. Berufsmatura/Zweitwegmatura

Bei der Berufs- wie auch der Zweitwegmatura handelt es sich um eine Allgemeinausbildung und nicht um eine Weiterbildung in der eigentlichen beruflichen Tätigkeit. Dies gilt selbst dann, wenn die Berufsmatura erst nach dem Lehrabschluss berufsbegleitend besucht und abgeschlossen wird. Bei den dafür anfallenden Aufwendungen handelt es sich somit um nicht abzugsfähige Ausbildungskosten.

7.  Höhere Berufsbildung

7.1. Definition

Als Höhere Berufsbildung auf nichtuniversitärer Tertiärstufe gelten gemäss dem Bundesgesetz über die Berufsbildung (BBG):

  • Berufsprüfungen (eidg. Fachausweis)
  • Höhere Fachprüfungen (dipl. HFP)
  • Höhere Fachschulen (HF)

Sowohl die Berufsprüfung als auch die Höhere Fachprüfung zielen auf eine praxisnahe höhere Berufsbildung. Dabei sind die Anforderungen für eine Höhere Fachprüfung höher als bei der Berufsprüfung anzusetzen.

Die Höheren Fachschulen zielen auf eine höhere berufliche Qualifikation in Verbindung mit Führungsvorbereitung. Die Anforderungen für eine Höhere Fachschule sind höher anzusetzen als bei einer Höheren Fachprüfung. Zu den höheren Fachschulen zählen z.B. die Technikerschulen (bisher TS, neu HF) und die Höhere Fachschule für Wirtschaft (HFW).

Die Höheren Fachschulen bieten auch Nachdiplomstudien (dipl. NDS HF) an, welche ebenfalls der nichtuniversitären tertiären Bildungsstufe zuzuordnen sind.

7.2. Zulassungsbedingungen

Für die Zulassung zu Berufsprüfungen und Höheren Fachprüfungen sowie Höheren Fachschulen wird (meist) einerseits ein Abschluss der Sekundarschulstufe II (Berufslehre, Mittelschulabschluss) vorausgesetzt. In einigen Fällen wird eine spezifische Berufslehre im entsprechenden Bereich verlangt, meistens genügt aber auch eine bestandene Berufslehre in einem anderen Bereich.

Andererseits ist (meist) eine mehrjährige berufliche Praxis im entsprechenden Bereich unabdingbare Voraussetzung für den Abschluss einer Höheren Berufsbildung.

Ausgenommen davon sind die Höheren Fachschulen für Gesundheit, für Soziales und Erwachsenenbildung sowie für Künste und Gestaltung. Bei diesen erfolgt die Zulassung einzig über eine sogenannte Eignungsabklärung, wobei in Ausnahmefällen kein Abschluss der Sekundarschulstufe II vorausgesetzt wird.

7.3. Steuerliche Beurteilung

Bei der Höheren Berufsbildung im nichtuniversitären Tertiärbereich ist das Vorliegen von abzugsfähigen Berufsaufstiegskosten aufgrund der Thurgauer Steuerpraxis und der Rechtsprechung des Bundesgerichts in der Regel zu bejahen.

Für die Absolvierung einer Berufsprüfung und einer Höheren Fachprüfung werden eine mehrjährige Berufspraxis sowie ein Abschluss der Sekundarstufe II (Berufslehre, Mittelschule) vorausgesetzt. In einem solchen Fall wird von einem genügend engen Zusammenhang mit dem erlernten Beruf ausgegangen. Dasselbe gilt für Höhere Fachschulen, bei welchen ebenfalls eine mehrjährige Berufspraxis sowie ein Abschluss der Sekundarstufe II vorausgesetzt werden. Für solche Fortbildungen anfallende Kosten gelten als abzugsfähige Weiterbildungskosten.

Besucht der Pflichtige eine Höhere Fachschule, bei welcher als Zulassung lediglich eine Eignungsprüfung erforderlich ist, muss im Einzelfall geprüft werden, ob die Fortbildung in einem genügend engen Zusammenhang mit dem vom Pflichtigen erlernten Beruf oder dem in der betreffenden Steuerperiode ausgeübten Beruf steht. Besteht ein solcher Zusammenhang, liegen Weiterbildungskosten vor, ansonsten handelt es sich um nicht abzugsfähige Ausbildungskosten.

8. Studium Universität, Fachhochschule, Pädagogische Hochschule

8.1. Allgemeines

Die Unterzeichnung der "Erklärung von Bologna" bedeutete für alle Schweizer Hochschulen (Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogische Hochschulen) eine umfassende Erneuerung von Strukturen und Inhalten ihrer Studiengänge. Nun gliedern sich alle Studiengänge an den Schweizer Universitäten in folgende Stufen:

  • die erste Studienstufe (Bachelorstudium);
  • die zweite Studienstufe (Masterstudium);
  • die Doktoratsstufe, deren Umfang und Ausgestaltung von jeder Universität unabhängig festgelegt wird.

Das Bachelor- und das Masterstudium zusammen ersetzen das bisherige einstufige Diplom- resp. Lizentiatsstudium.

Die Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen der Schweiz gliedern allle ihre Studiengänge neu in folgende Stufen:

  • die erste Studienstufe (Bachelorstudium);
  • die zweite Studienstufe (Masterstudium).

Das Bachelorstudium allein oder das Bachelor- und das Masterstudium zusammen ersetzen die bisherigen Studiengänge an den Fachhochschulen.

8.2. Bachelor- und Masterstudium

Sowohl beim Bachelor- als auch beim Masterstudium handelt es sich grundsätzlich um Studien der tertiären Bildungsstufe im universitären Bereich.

Das Bachelorstudium dauert in der Regel drei Jahre. Diese erste Studienstufe dient der Vermittlung einer grundlegenden wissenschaftlichen Bildung und methodischer Kenntnisse. Der Bachelorabschluss ist grundsätzlich ein eigener Studienabschluss und kann die Voraussetzung bilden für:

  • die Fortsetzung des Studiums im Rahmen eines Masterstudienganges an der Heimuniversität;
  • die Fortsetzung des Studiums im Rahmen eines Masterstudienganges an einer anderen Universität;
  • den Eintritt in wissenschaftlich orientierte Berufsfelder;
  • den Wechsel der Studienrichtung.

Das Masterstudium dient der wissenschaftlichen Vertiefung und dauert eineinhalb bis zwei Jahre. Es ist Voraussetzung für ein anschliessendes PhD-Studium.

8.3. Steuerliche Beurteilung

Bei Studien der tertiären Bildungsstufe im universitären Bereich (Universitäten, ETH Zürich, EPF Lausanne, Fachhochschulen, Pädagogische Hochschulen) handelt es sich entweder um den Erwerb von Grund- und Allgemeinbildung oder um die Erlernung eines eigentlichen Berufs. Die in diesem Zusammenhang anfallenden Aufwendungen sind in der Regel als nicht abzugsfähige Ausbildungskosten zu qualifizieren. Dies gilt auch bei einem berufsbegleitendem Studium.

Nur aufgrund der neuen zweistufigen Ausrichtung der Studiengänge kann nicht geltend gemacht werden, dass mit dem Abschluss des Bachelorstudiums eine Ausbildung im betreffenden Fachbereich erfolgt sei. Auch das anschliessende (darauf aufbauende) Masterstudium gilt als Ausbildung.

Die Universitäten und Fachhochschulen bieten auch Fachkurse ohne Hochschulabschluss an. Solche Kurse sind als Weiterbildung zu qualifizieren, sofern sie im Zusammenhang mit dem erlernten oder ausgeübten Beruf anfallen.

8.4. Dissertationen

Dissertationskosten (Kosten im Zusammenhang mit dem Doktorexamen, wie Druck der Dissertation u.ä.) stehen im Zusammenhang mit der Erstausbildung in einem Beruf. Sie stellen in der Regel keine Weiterbildungskosten im Sinn von § 29 Ziffer 2 StG dar, sondern gehören zu den nicht abzugsfähigen Ausbildungskosten (vgl. StP 29 Nr. 5).

8.5. Nachdiplomstudien, Management- und Führungskurse

Nachdiplomstudien (beispielsweise NDS- und EMBA-Lehrgänge) sind in der Regel Fortbildungen, die einem besseren Fortkommen oder einem Aufstieg im angestammten Beruf dienen. Aufwendungen für solche Fortbildungen gelten als abzugsfähige Weiterbildungskosten. Dies gilt auch für Management- und Führungskurse.

9. Beispiele für Aus-, Weiterbildungs- und Umschulungskosten

9.1. Nicht abzugsfähige Ausbildungskosten

Die nachfolgenden Bildungsmassnahmen gelten jedenfalls als Ausbildung und sind daher nicht abzugsfähig:

Art der FortbildungBemerkungen
Obligatorische SchuleGrundausbildung
Mittelschule mit MaturaabschlussGrundausbildung
Berufslehre (mit Berufsmatura)Berufliche Grundausbildung
Berufsmatura nach LehrabschlussSekundarstufe II
Fachhochschulausbildung (FH)
(inkl. Betriebsökonom FH)
Hochschulausbildung, Erstausbildung
Bachelor- und Masterabschluss an Universität,
ETH, HSG im Anschluss an gymnasiale Ausbildung (erstmaliger Abschluss)
Studienlehrgang, Universitätsstudium, erstmaliger Berufsabschluss, entspricht bisherigem Lizentiat
DissertationBestandteil der Ausbildung, sofern nicht beruflicher Zusammenhang
Handelsschule mit kaufmännischem Abschluss
(als freiwillige Berufsumstellung)
Berufsumstellung, Zweitausbildung
ZweitstudiumZweitausbildung
Primarlehrer/inOberstufenlehrperson I
Pflegeassistentin SRKFachangestellte Gesundheit (FAGE) inkl. zugehöriger
Allgemeinbildungsunterricht Erwachsene (ABU)

9.2. Abzugsfähige Weiterbildungskosten

Die Aufwendungen für nachfolgende Bildungsmassnahmen gelten in der Regel als abzugsfähige Weiterbildungskosten:

Art der FortbildungBemerkungen
Einjährige Handelsschule nach LehrabschlussErgänzung im angestammten Beruf
Technischer Kaufmannsofern aktuelle Tätigkeit im Bürobereich
Sprachkurse und Sprachaufenthalte mit Besuch Sprachschulesofern im Zusammenhang mit ausgeübter Tätigkeit
Informatikausbildungen (PC/LAN Supporter SIZ, Programmierer, Netzwerkspezialist, Informatiker/in mit Fachausweissofern im Zusammenhang mit ausgeübter Tätigkeit, sonst Ausbildung
Bildungsurlaub Lehrkräfte
(nicht aber Bildungsreisen, vgl. Ziffer 9.3.)
können unter Abgrenzung der Lebenshaltungskosten abgezogen werden
Deutschkurs bei Fremdsprachigensoweit Erwerbstätigkeit vorliegt
Anschaffung PCabzüglich 50 % Lebenshaltungskosten
Berufsprüfung mit eidg. FachausweisWeiterbildung im ausgeübten Beruf oder Berufsaufstieg im angestammten Beruf
Höhere FachprüfungWeiterbildung im ausgeübten Beruf oder Berufsaufstieg im angestammten Beruf
Höhere Fachschulen (HF, HFW, TS)Weiterbildung im ausgeübten Beruf oder Berufsaufstieg im angestammten Beruf
Universitäre Nachdiplomstudien
(LL.M., EMBA, MAS, NDU-HSG)
Weiterbildung im ausgeübten Beruf oder Berufsaufstieg im angestammten Beruf
FacharzttitelBerufsaufstieg im angestammten Beruf
AnwaltsprüfungBerufsaufstieg im angestammten Beruf
Management- und FührungskurseBerufsaufstieg im angestammten Beruf
MeisterkurseBerufsaufstieg im angestammten Beruf
Polier, Bauführer, BauleiterBerufsaufstieg im angestammten Beruf
Weiterbildung während der Arbeitslosigkeitsofern im Zusammenhang mit erlerntem Beruf oder bisheriger Berufstätigkeit
WiedereinstiegskostenPeriodizitätsprinzip ist zu beachten (eigene Einkommensquelle in der entsprechenden Steuerperiode)

9.3. Abgrenzung zu nicht abzugsfähigen Lebenshaltungskosten

Folgende Aufwendungen sind in der Regel nicht oder nur teilweise als Weiterbildungskosten abziehbar, da Lebenshaltungskosten (Privataufwand) vorliegen:

Art der FortbildungBemerkungen
Sprachaufenthalt ohne SprachschulePrivataufwand (Bildungsreise, Ferien)
Bildungsreisenstellen Privataufwand dar
Feldenkreis, Fengshui, Kinesiologie und ähnliche Angebote aus dem Bereich der Komplementärmedzinsind in der Regel dem Privatbereich zuzurechnen, allenfalls Ausbildung im Hinblick auf Berufsumstellung; nur bei objektivem Bezug zu ausgeübtem Beruf als Weiterbildungskosten zu qualifizieren