StP 29 Nr. 5

Weiterbildungs- und Umschulungskosten / gültig bis und mit Steuerperiode 2015 

1. Allgemeines

Bis und mit der Steuerperiode 2015 konnten gemäss § 29 Ziffer 2 aStG sowie Artikel 26 Absatz 1 Bst. d aDBG "die mit dem Beruf zusammenhängenden Weiterbildungs- und Umschulungskosten" als Berufskosten abgezogen werden. Ab der Steuerperiode 2016 werden die berufsorientierten Aus- und Weiterbildungskosten als allgemeiner Abzug berücksichtigt (vgl. StP 34 Nr. 28).

Die nachfolgenden Ausführungen gelten demnach nur noch bis und mit der Steuerperiode 2015. Grundsätzlich können nur die effektiven und tatsächlich belegten Aufwendungen für die Weiterbildung oder die Umschulung abgezogen werden, soweit diese Ausgaben nicht anderweitig (etwa durch den Arbeitgeber oder eine Versicherung) gedeckt werden. Pauschalabzüge können nicht geltend gemacht werden.

2. Weiterbildungskosten

2.1. Definition

Weiterbildungskosten sind Aufwendungen, welche die Berufstätigen auf sich nehmen müssen, um ihrer beruflichen Stellung gewachsen zu bleiben. Sie dienen der Erhaltung oder Sicherung der erreichten beruflichen Stellung. Dazu gehören nicht nur Anstrengungen, um den Stand bereits erworbener Fähigkeiten zu erhalten, sondern auch der Erwerb verbesserter Kenntnisse für die Ausübung des gleichen Berufs.

Dagegen gelten Aufwendungen für die Erstausbildung in einem Beruf (bis zu einem universitären Erstabschluss) sowie Kosten für eine Zweitausbildung (vgl. Ziffer 5 nachfolgend) als nicht abzugsfähige Ausbildungskosten.

Für die Beurteilung ob eine Fortbildung als Weiterbildung oder als Ausbildung qualifiziert wird, ist es unerheblich, ob diese Fortbildung berufsbegleitend oder vollzeitlich, im Frontalunterricht oder als Fernstudium absolviert wird.

2.2. Voraussetzungen für den Abzug

Damit Weiterbildungskosten abzugsfähig sind, müssen sie entweder im Rahmen des bereits erlernten Berufes oder im Zusammenhang mit dem in der Steuerperiode ausgeübten Beruf stehen sowie für die Weiterbildung erforderlich sein. Abzugsfähig sind auch Auslagen für eine Fortbildung, welche einem besseren Fortkommen oder einem Aufstieg im angestammten Beruf dient.

Zur Anerkennung als abzugsfähige Weiterbildungskosten ist es nicht notwendig, dass der Steuerpflichtige das Erwerbseinkommen ohne die streitige Auslage überhaupt nicht hätte erzielen können. Es ist lediglich darauf abzustellen, ob die Aufwendungen zur Erzielung des Einkommens nützlich sind und nach der Verkehrsauffassung im Rahmen des Üblichen liegen.

Wenn nur Auslagen für Bildungsmassnahmen abzugsfähig wären, die auf die derzeitige Stelle ausgerichtet sind, würde der Begriff der Weiterbildung zu eng gefasst. Der Begriff "Beruf" darf nicht mit dem Begriff "Stelle" verwechselt werden. Bei der Stelle geht es um die konkrete Anstellung. Dagegen ist mit dem Beruf die konkrete Tätigkeit des Steuerpflichtigen, die er aufgrund seiner Fähigkeiten, losgelöst von der jeweiligen Stelle ausübt, gemeint.  

Das in Frage stehende berufliche Fachwissen kann unter Umständen auch in der Praxis ("on the job") erlernt worden sein. Einer diesbezüglichen eigentlichen Berufsausbildung, die es im Übrigen für verschiedene berufliche Tätigkeiten gar nicht gibt, bedarf es nicht in jedem Fall. Dabei ist aber zu beachten, dass eine Weiterbildung nur vorliegen kann, wenn bereits eine Grundausbildung (Abschluss Sekundarschulstufe II: Berufslehre, Mittelschulabschluss) absolviert wurde. Diese kann nicht "on the job" erworben werden.

3. Umschulungskosten

Die Umschulung ist auf das Erlangen der für die Ausübung eines anderen als des bisherigen Berufs erforderlichen Kenntnisse gerichtet. Sie schafft die fachlichen Voraussetzungen für einen Berufswechsel bzw. eine Berufsumstellung. Somit ist sie eine besondere Art der Ausbildung, ausgehend von einer abgeschlossenen Erstausbildung in einem anerkannten Beruf, eines abgeschlossenen Studiums oder eines Lehrabschlusses.

Kosten, die aus blosser Liebhaberei oder in einem weiteren Sinn unabhängig von einer späteren hauptberuflichen Erwerbstätigkeit aufgewendet werden, fallen klarerweise nicht unter den Begriff der Umschulungskosten.

Die Kosten einer Umschulung werden nur dann steuerlich anerkannt, wenn sie der Beseitigung einer bei der bisherigen Berufsausübung aufgetretenen Zwangslage dienen. Voraussetzung dafür ist insbesondere der äussere Druck infolge veränderter Gegebenheiten. Als Zwangslage angesehen werden:

  • Betriebsschliessungen;
  • Aussterben eines Berufs;
  • Krankheit oder Unfall.

Steuerlich abzugsfähige Umschulungskosten im Sinne von § 29 Ziffer 2 StG liegen somit grundsätzlich nur dann vor, wenn der Steuerpflichtige aufgrund einer bei der bisherigen Berufsausübung aufgetretenen Zwangslage einen anderen Beruf ergreifen muss. Diese Praxis gilt sowohl bei den Staats- und Gemeindesteuern als auch bei der direkten Bundessteuer.

Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist der Begriff Umschulung eng auszulegen, um eine Abgrenzung zu demjenigen der Zweitausbildung zu ermöglichen. Keine Zwangslage im steuerlichen Sinn ist die Erlernung eines Zweitberufes, welcher nur mit der Voraussetzung einer abgeschlossenen Berufsausbildung erreicht werden kann (Beispiel: vom Maschinen-Ingenieur zum Pilot). Solche Umschulungskosten können nicht geltend gemacht werden.

4. Wiedereinstiegskosten

Gemäss § 29 Ziffer 2 StG sind Wiedereinstiegskosten den Weiterbildungs- und Umschulungskosten gleichgestellt. Wiedereinstiegskosten sind Aufwendungen, welche anfallen, um nach längerer Zeit wieder im erlernten oder seinerzeit ausgeübten Beruf tätig zu sein. Voraussetzung für die Abzugsfähigkeit ist, dass in der gleichen Steuerperiode ein Erwerbseinkommen aus dem beruflichen Wiedereinstieg erzielt wird, in der diese Kosten angefallen sind (Periodizitätsprinzip). Abzugsfähig sind auch diejenigen Kosten, die in derselben Steuerperiode, aber noch vor dem beruflichen Wiedereinstieg entstanden sind.

Wiedereinstiegskosten, die in Steuerperioden vor dem beruflichen Wiedereinstieg angefallen sind, können dagegen nicht abgezogen werden (Periodizitätsprinzip). Bei unterjähriger Steuerpflicht können nur diejenigen Wiedereinstiegskosten berücksichtigt werden, welche während der unterjährigen Steuerpflicht angefallen sind.

5. Ausbildungskosten

Kosten, welche für die Ausbildung der steuerpflichtigen Person oder deren Kinder anfallen, sind nicht abzugsfähig (vgl. auch StP 29 Nr. 6). Als Ausbildung gilt die Erlernung von Fähigkeiten und Kenntnissen, die zur Ausübung einer Tätigkeit in einem Beruf erforderlich sind. Dazu gehören die

  • Grund- oder Allgemeinausbildung;
  • Mittelschul-, (Fach-)Hochschul- und Universitätsausbildung;
  • Absolvierung einer Berufslehre (inklusive Erwerb der Berufsmatura);
  • Erlernung eines Zweitberufs (allenfalls abzugsfähig als Umschulungskosten, sofern ein äusserer Zwang zur Umschulung besteht, vgl. Ziffer 3, vorgängig).

6. Praxisfälle Weiterbildungs- und Umschulungskosten

Die Abzugsfähigkeit bestimmter Weiterbildungskosten, wie Arbeitszimmer, Kosten für Hard- und Software, Bildungsreisen, etc. wird in der Steuerpraxis unter StP 29 Nr. 6 separat behandelt.